Dienstag, 22. Mai 2012
Unheilig - "Der Graf" gibt sich die Ehre - ein Buch zeigt den Menschen dahinter
Ein Mann wie Bambus: biegsam und unzerbrechlich
Eine Biographie zeigt den Menschen hinter dem "Grafen"
Scheinbar aus dem Nichts erschien die Band "Unheilig"
mit dem Sänger "Der Graf" und eroberte die Charts 2010. Mit
dem Titel "Geboren um zu leben" erhielt der in Gothic-Manier
gekleidete Sänger und Komponist dreifach die Goldene
Schallplatte in Deutschland. In der Schweiz bekam
er für das Album "Große Freiheit" Platin, in Österreich
und Europa ebenfalls. Wer ist der kahlgeschorene Mann im
schwarzen Anzug, der dunklen Stimme und den aufwühlenden
Texten? Der Aufstieg des Musikers war alles andere als
leicht. Selbst wenn das durch die Medienpräsenz mit seiner
Band und seinen Trost spendenden Liedern einem so vorkommt.
Die Autoren Michael Fuchs-Gamböck und Thorsten Schatz
beschreiben in "Der Graf und seine Welt" ausführichst, wie
steinig der Weg zum Ruhm sein kann. Der richtige Name des
Künstlers ist nicht bekannt. Er will sich und seine Familie
damit schützen. Geboren wurde er in Nordrhein-Westfalen,
wuchs mit einem Bruder in Aachen auf und erhielt viel
Unterstützung aus seinem Elternhaus. Als Kind erlitt er einen
Schock der ihm die Sprache verschlug. Welches Ereignis den
Jungen so verstörte, weiß er bis heute selbst nicht. Jedenfalls
brachte es ihm Besuche bei Psychologen und das Stottern ein.
Er zog sich in sich zurück, zeichnete und sielte Tischtennis.
Als Teenager fand er die Sprache wieder und begann Kirchenlieder
zu singen. Er lernte Heimorgel zu spielen und zu komponieren.
Ein Synthesizer sowie eine Drum-Machine begleiteten ihn dabei
auf seinem Weg, auch CDs zu produzieren. Mit 17 Jahren musste
er sich für einen Beruf entscheiden. Musiker zu werden, war
sein Traum doch die Eltern waren dagegen. Was folgte, ist eine
abgebrochene Lehre als Zahntechniker, vier Jahre als Zeitsoldat
als Sanitäter und eine abgeschlossene Berufsausbildung als
Hörgeräte-Akustiker. Diese Berufe waren keine Berufung, sondern
dienten hauptsächlich als Geldquelle. Sein Herz schlug für die
Musik. "Der Graf" produzierte Instrumentalsongs, aber er fand
keine Plattenfirma. Aus Frust aß er sich Kummerspeck an. Nach
seiner Ausbildung als Hörgeräte-Akustiker arbeitete er in dieser
Branche machte aber nebenbei weiter Musik. Bis beides nicht
mehr zu vereinen war. Er wagte den Sprung ins kalte Wasser und
wurde Berufsmusiker. Der Aachener lernte den Sänger, Komponisten
und Songwriter Grant Stevens kennen, der viele gute Kontakte
besaß. Beide arbeiteten zusammen an Songs und Texten. Doch statt
des ersehnten Plattenvertrages gab es nur Absagen. Doch der "Graf"
gab nicht auf. Er fand in der Bibel das Wort "unheilig" und
nannte seine Band fortan so. Im Jahre 2001 brachte er das Album
"Phosphor" unter dem Label Bloodline heraus. 2009 wurde es
bei Interstar erneut veröffentlicht. Der erste Start war
enttäuschend gewesen. Es gab keine Chart-Platzierung. Noch vor
dem gigantischen Durchbruch 2010 gelangte die CD "Puppenspiel"
2008 in Deutschland auf Platz 13. Im selben Jahr war der Musiker
Gast bei Pro7 in der Sendung "Frank - der Weddingplaner". Die
Schwarze Szene, aus der er ursprünglich kam, nahm ihm das übel.
2008 ging er mit "Unheilig" auf Tournee und "Puppenspiel". Das
Konzert in Berlin am 30. März 2008 war ein Riesenerfolg. Doch
dann kam der Zusammenbruch. Husten, Schüttelfrost, Fieber.
Konzerte mussten abgesagt werden. Die Stimmbänder des "Grafen"
waren vereitert, sie drohten zu versagen, wenn er sich nicht
schonte. Der Musiker versank in Depressionen, schonte seine
Stimme und gewöhnte sich das Rauchen ab. Keine leichte Aufgabe
nach zwei Schachteln Zigaretten pro Tag. "Das waren die
schlimmsten Wochen meines Lebens", beschreibt er diese Situation.
Er überwand alles machte täglich Atemübungen und Stimmband-Training.
Es zahlte sich aus. Durch den Charterfolg mit "Puppenspiel" durfte
er mit seiner Band beim M'era Luna-Festival vor 20.000 Besuchern
spielen. Der Aufstieg war nicht mehr zu bremsen und hält nach wie
vor an. Für die CD "Große Freiheit" zog sich der Vollblutmusiker
total zurück, um daran zu feilen. Die Ballade "Geboren um zu leben"
wurde 2010 die erfolgreichste Single des Sommers. Das Lied ist
einem engen Freund gewidmet, der im Sterben lag. Wer das Buch liest,
staunt über die immense Schaffens- und Willenskraft, mit der
der "Graf" unermüdlich Songs schrieb, die viel Tiefgang haben und dass er
niemals den Mut verlor. Eben gerade weil er sich so durchboxen
musste, weiß er, dass einem nichts in den Schoß fällt. Solche
Erfahrungen lehren einen Demut. Das Album "Große Freiheit" verkaufte
sich knapp 1,5 Millionen mal. Zeit, um etwas zurückzugeben, dachte
sich der Musiker und gründete 2010 "Die Grafschaft". Ziel ist es,
für wohltätige Zwecke Gelder zu sammeln. Wenn er Trost spenden kann,
dann tut er das auch. Er ist nicht nur ein begnadeter Musiker,
sondern auch ein Mensch, der seinen Weg unbeirrt geht und andere
Menschen versteht. Ein wunderbares Buch über eine wunderbare
Persönlichkeit.
(c) Corinna S. Heyn
Michael Fuchs-Gamböck/Thorsten Schulz,
Unheilig. Der Graf und seine Welt.
Paperback
Bastei Lübbe 2011
Preis: 8,99 Euro
www.luebbe.de
www.unheilig.com
www.herzenswuensche.de
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